1947

Am 21. April wird in einem Wohnwagenpark in Ann Arbor, einem Vorort von Detroit, James Newell Osterberg geboren.

1966

18 Jahre alt, sieht Jim bei einem Konzert an der Universität von Michigan erstmals The Velvet Underground und Nico. Eine folgenreiche Begegnung. Iggy, wie er sich fortan nennt, wird Drummer der Garagenband "The Iguanas".

1967

Nach einem Ausflug in das schwarze Bluesterritorium von Chicago – Iggy spielte u.a. mit Buddy Guy und Muddy Waters – war der Legende nach ein Doors-Konzert Auslöser für die Gründung einer eigenen Band. Gemeinsam mit Ron Asheton (g), Dave Alexander (b) und Scott Asheton (dr) gründet Iggy Stooge (voc) "The Stooges".

Neben einem rauen, harten Sound zeichnet sich die Gruppe in erster Linie durch ihre Bühnenshow aus, die dominiert wird durch Iggy, der sich den nackten Oberkörper mit Glasscherben verletzt und mit Blut, Dreck und Erdnussbutter beschmiert. Die Zeitschrift Sounds resümiert: "Freiluftübungen eines Balletttänzers, der an einer Starkstromleitung hängt."

1969

Für 5000 Dollar unterzeichnen die Stooges einen Vertrag bei Elektra Records. Ihr erstes Album, The Stooges, wird produziert von John Cale, der jüngst die Velvet Underground verlassen hat. Der Rolling Stone schreibt anlässlich der Veröffentlichung: "1957 hat man überzeugend bewiesen, dass es eine beiläufige, flüchtige Beziehung zwischen Rock'n'Roll und Jugendkriminalität gibt. Diese Platte ist ein weiteres Dokument, das diese These bekräftigt."

1970

Die zweite LP, Fun House findet ähnlich wenig Beachtung wie ihr Vorgänger. Während Songs wie "TV Eye" und "Down On The Street" die Punk-Bewegung sieben Jahre später vorwegnehmen, urteilt die Los Angeles Free Press: "Die perfekte Hintergrundmusik für eine Auspeitschparty."

Iggy beginnt eine kurze Affäre mit der Underground-Ikone Nico, die gerade ihr zweites Soloalbum The Marble Index veröffentlicht hat.

1971

Tabletten, LSD und Heroin führen zur Trennung der Stooges. Iggy unterzieht sich einer Methadon-Therapie.

1972

Im legendären New Yorker Max's Kansas City lernt Iggy David Bowie kennen, der im Begriff ist, sein Album The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars zu veröffentlichen. Bowie, ein großer Bewunderer der Stooges, verhilft Iggy zu einem neuen Plattenvertrag.

1973

Unter der Regie von Bowie nehmen Iggy – im Zeichen des Glamrocks nun mit Make-up und platinfarbenen Haaren – und die reformierten Stooges (Ron Asheton, Scott Asheton und James Williamson) in London Raw Power auf, "the worst kind of psycho drama" (New Musical Express). Die LP verkauft sich ähnlich schlecht wie die ersten beiden Alben.

Erfolglosigkeit und Drogen haben zur Folge, dass sich die Stooges binnen kurzem wieder in einem desolaten Zustand befinden. Nach zwei letzten Konzerten auf einer Rock'n'Roll-Farm, die für das Live-Album Metallic KO mitgeschnitten werden und in deren Verlauf es zu Auseinandersetzungen mit einer Motoradgang kommt, trennen sich die Stooges ein zweites Mal.

1974

Eine Zeit lang ist Iggy als Nachfolger für den 1971 verstorbenen Doors-Frontman Jim Morrison im Gespräch, doch sein schlechter Zustand verhindert eine weitere Zusammenarbeit mit Doors-Organist Ray Manzarek. Zurück in den USA, ganz unten angekommen und – zunächst – am Ende seiner Karriere, lässt sich Iggy am Neuropsychiatrischen Institut der University Of California wegen seiner Heroinsucht behandeln.

1975

Während Iggy am Neuropsychiatrischen Institut Wochenendausgang hat, entsteht in Zusammenarbeit mit James Williamson Kill City. Das Album wird erst zwei Jahre später veröffentlicht.

1976

Los Angeles: Hinter der Bühne von Bowies Station To Station-Tour taucht Iggy überraschend wieder auf. Er schließt sich dem Tourneetross an und begleitet Bowie anschließend auf einer Reise durch Skandinavien und die UdSSR.

1977

Zurück in Europa, bereiten der "Thin White Duke" und das "dunkel-gefährliche Raubtier" im französischem Studio Château d'Herouville Iggys Comeback vor. The Idiot präsentiert einen frischen, gestärkten Iggy Pop mit einem neuen, durch Bowie beeinflussten Sound: "Eine Kreuzung aus James Brown und Kraftwerk."

1978

Ebenso wie Iggy hat Bowie massive Probleme, von seiner Kokainsucht loszukommen. Um clean zu werden, ziehen beide nach Berlin, die damalige Drogenhauptstadt Europas. In den Hansa Tonstudios produzieren sie Iggys nächste LP, Lust For Life, mit dem wohl bekanntesten Pop-Song "The Passenger".

Um beide Alben zu promoten, geht Iggy im März zusammen mit Ricky Gardiner (g), Tony Sales (b), Hunt Sales (dr) und Bowie an den Keyboards auf Tour. Nicht ganz frei von Eskapaden aus Stooges-Zeiten zieht Iggy seine Show ab, mit der er die Hälfte des Publikums in seinen Bann zieht und die andere Hälfte auf den Parkplatz vertreibt. Die Tour wird dokumentiert durch das Livealbum TV Eye.

1979

In einer weiteren Kooperation mit James Williamson entsteht New Values. Obwohl zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein großer Erfolg, zählt das Album heute zu Iggys besten Werken.

1980–1982

Am 18. Mai 1980 erhängt sich Ian Curtis, Sänger der Band Joy Division, in seiner Wohnung in Macclesfield; auf dem Plattenteller dreht sich noch die letzte LP, die er vor seinem Tod gehört hat: The Idiot.

Mit Soldier (1980), Party (1981) und Zombie Birdhouse (1982) erscheinen in diesen Jahren einige mäßige Alben. Iggy scheint auf der Stelle zu treten.

1982 veröffentlicht "der Pate des Punk" (Rolling Stone) seine Autobiographie I Need More.

1983

Mit Let's Dance erscheint David Bowies bislang erfolgreichstes Album (UK #1, US #4, DE #1), dessen zweite Singleauskopllung eine Neuaufnahme "China Girl" ist (ursprünglich auf The Idiot). Die Tantieme für die Co-Autorschaft sorgen dafür, dass Iggy sich für drei Jahre aus dem Musikgeschäft zurückziehen kann.

1986

Erneut in Zusammenarbeit mit Bowie gelingt mit Blah-Blah-Blah das zweite Comeback. Der neue Iggy Pop zeigt sich drogenfrei, fit und kommerziell erfolgreich. Die ausgekoppelte Single "Real Wild Child" erreicht die Top Ten in Großbritannien und Iggy tritt erstmals in der Sendung Top Of The Pops auf.

1988

Nach dem "poppigen" Sound von Blah-Blah-Blah folgt mit Instinct und Songs wie "Cold Metal" und "Easy Rider" die Rückkehr zum Hardrock.

1990

Brick By Brick, die erste Veröffentlichung unter dem Label Virgin Records, knüpft an den Erfolg von Blah-Blah-Blah an. "Candy", ein Duett mit Kate Pierson (B-52's), erreicht die Top 40.


"Es ist unerklärlich, aber irgendwie bleibt Iggy Pop auf eine undefinierbare Art cool – sogar wenn er mit Jeans und Unterhosen um die Knöchel stolpert, während er manisch über die Bühne hüpft. Niemand sonst würde mit einem solchen Verhalten durchkommen. Niemand sonst würde es auch nur versuchen."

1993

Noch abwechslungsreicher gibt Iggy sich auf dem von den Kritikern viel gelobten American Caesar. Mit Songs wie "Mixin' The Colors" und "Social Life" schlägt er erstmals auch sanftere Töne an. Das Album enthält außerdem ein Cover des Kingsmen-Klassikers "Louie Louie", der schon 20 Jahre zuvor zum Repertoire der Stooges gehört hat.

1995

Iggy steht für Jim Jarmusch' "Dead Man" und "The Crow II – Die Rache der Krähe" vor der Kamera.

1996

Mit Naughty Little Doggie erscheint ein eher durchschnittliches Album.

1999

Avenue B wird, wie schon American Caesar, stärker durch leisere Töne bestimmt. Auf seinem bisher persönlichsten Album blickt Iggy zurück auf die Affären der vergangenen Jahre und bezieht akustische und Jazz-Elemente in seine Musik mit ein. Mit "Shakin' All Over" (im Original von Johnny Kitt & The Pirates) beinhaltet die Don Was-Produktion einen weiteren Rock'n'Roll-Klassiker.

2001

Auf Beat 'Em Up schlägt Iggy wieder härtere Töne an. Pop's not dead.

2003

Auch Skull Ring, Iggys 20. Album, zeichnet sich durch eine Rückkehr zu den Wurzeln aus. Unterstützt wird Iggy dabei von Weggefährten aus alten Stooges-Zeiten, den Brüdern Ron und Scott Asheton, aber auch von Musikern der jüngeren Generation wie Green Day und Peaches. Die Zusammenarbeit mit den Ashetons führt im selben Jahr zu einer Reunion der Stooges auf der Bühne.

2005

Nach Nude & Rude: The Best of Iggy Pop aus dem Jahr 1996 veröffentlicht Virgin mit A Million In Prizes: The Anthology ein Doppelalbum, das Iggys Karriere von den Anfängen der Stooges bis zum letzten Album Skull Ring umfasst.

2007

38 Jahre nach Veröffentlichung Ihres Debütalbums, 34 Jahre nach Ihrer Trennung veröffentlichen Iggy Pop, Ron Asheton und Scott Asheton als The Stooges ein neues Studioalbum: The Weirdness. – Nicht schlecht für einen Sechzigjährigen (Geburtstag am 21.04.2007).

2009

Am 1. Januar stirbt Ron Asheton im Alter von 60 Jahren in seinem Haus in Ann Arbor an einem Herzinfakt.

Chansons? Balladen? French Lyrics? Auf Préliminaires zeigt sich Iggy von einer völlig anderen Seite und präsentiert ein ruhigeres, jazzorientiertes Album, das durch das Buch "La Possibilité d'une île" ("Die Möglichkeit einer Insel") des französischen Autors Michel Houellebecq inspiriert ist.

2012

Iggy lets out the crooner inside. Der Mann, der sonst mit seiner Garagenband The Stooges auf der Bühne mit Lautsprecherboxen kopuliert, interpretiert auf Après mondäne Songs wie "La Vie En Rose" (Edith Piaf), "La Javanaise" (Serge Gainsbourg) und "Michelle" von den Beatles. Was sich auf Avenue B und Préliminaires bereits angekündigt hat, wird hier konsequent fortgesetzt. Das mag nicht jedermanns Sache sein, doch wie sagte Iggy bereits 1980 in Detroit, als sein Punkrockpublikum ein wenig irritiert auf seine Interpretation des Frank-Sinatra-Klassikers "One For My Baby" reagierte? "This is a soft song. And I ain't gonna sing this fucking song until you shut up and let me sing it. Give it a try, you might like it."

2013

40 Jahre nach Raw Power erscheint mit Ready To Die zum ersten Mal wieder ein Album unter den Namen "Iggy & The Stooges" in der Besetzung Iggy Pop, Scott Asheton, James Williamson, Mike Watt und Steve Mackay. James Williamson, mit dem Iggy bereits Raw Power, Kill City und New Values aufgenommen hat, ersetzt den verstorbenen Ron Asheton.

2014

Fünf Jahre nach seinem Bruder stirbt am 15. März Scott Asheton an einem Herzinfakt.

2015

Steve Mackay, Saxophonist auf Fun House und Part-Time-Member der Stooges 1970 und von 2003 bis zuletzt, stirbt am 11. Oktober im Alter von 66 Jahren an einer Blutvergiftung. Damit ist Iggy der letzte Überlebende der legendären Stooges.

2016

Am 10. Januar stirbt Iggys langjähriger Weggefährte David Bowie. ("Iggy Pop and I were a couple of very naughty boys who went to Berlin to learn how to be good.")

Iggy: "David's friendship was the light of my life. I never met such a brilliant person. He was the best there is."

Post Pop Depression entsteht in Kooperation mit Josh Homme (Queens of the Stone Age, Eagles of Death Metal) und knüpft für viele an das Berliner Diptychon, The Idiot und Lust For Life, an. Iggys letztes Album?


"Iggy Pop erlebte alle nur denkbaren Höhen und Tiefen des Popmusik-Geschäftes, sorgte oft genug für Negativ-Schlagzeilen und pflegte sein Image als unberechenbarer, schockierender und zuweilen erschreckend naiver Rock-Star. Vom Drogenkonsum gezeichnet, finanziell völlig mittellos, stand Pop häufig am Abgrund, fing sich am Ende immer wieder, um sich schließlich als gereifter Künstler zu profilieren."

Die ganze Geschichte ...

Paul Trynka: IGGY POP (aus dem Englischen von Christoph Hahn und Bernhard Joseph) [528 Seiten]

"IGGY POP beinhaltet fast jedes Laster, das man sich in einer Rock-Biografie wünschen kann: Exhibitionismus, Sex mit Minderjährigen, Selbstverstümmelung, psychische Störungen, Drogenmissbrauch, Untreue, Betrug, Gewalt, Tod und David Bowie. Wenn man all den Unsinn beiseite lässt, ist Iggy ein Profi. Und Trynka auch."   The Guardian